Das Portugal-Recumbent ABC

Kurz und bündig - Wissenswertes und Diverses zum Thema Radfahren in Portugal. Das basiert alles natürlich nur auf den Erfahrungen, die ich auf meiner Strecke gemacht habe.


A - wie Abfahrt/Anstieg
Wer dieses Blog halbwegs durchgelesen hat, dem werden allenthalben Berge begegnen. Und wer dann doch den Schritt wagt und mit seinem Bike runterfliegt, der wird es aus dem Flugzeug schon sehen können: Portugal ist voller Berge. Wir haben kleine, fiese mit steilen Steigungen, große, breite mit mäßigen und dann gibt es noch die Serra de Estrela, wo es richtig abgeht.
Bergfreunde kommen hier voll auf ihre Kosten. Ansonsten kann eine intelligente Streckenplanung vor allzu großen Geröllhaufen schützen. Wer Berge absolut nicht mag - der sollte das Holland gehen.
Meine Weisheit (geboren aus schmerzhafter Selbsterfahrung): Hast du einen Berg hinter dir, kommen dafür zwei neue.

B - wie Bremsen
Ich habe gut Lachen, denn ich besitze ja auch zwei bissfeste Magura-Hydraulik-Scheibenbremsen. Mit viel weniger würde ich mich die teilweise halsbrecherisch schnellen Abfahrten auch nicht hinab trauen. In jeden Fall, egal wo man fährt, sollte man über eine einsatzbereite und stark verzögernde Bremsanlage verfügen, denn nicht nur die Bergrücken, die man rasant hinabschießen kann, sondern auch der eine oder andere liegeradbegeisterte Portugiese zwingen zu abrupten Bremsmanövern.

C - wie Camping
Campen ist in Portugal - vor allem entlang der Küste - überhaupt kein Problem. Die Campingplätze, die ich besucht habe, waren allesamt auf dem neuesten Stand: Saubere Waschräume, Sicherheitsdienst - es gab hier einfach alles. Aufpassen sollte man bei der Wahl seiner Häringe, denn manchmal werden die Camping-Sites auf Untergründen errichtet, die den Standard-Alu-Häringen, die nur weichen deutschen Mutterboden gewöhnt sind, nach ein, zwei Schlägen das Genick brechen. Stahlhäringe (angespitzt, wenns geht) kaufen!
Im Inland nimmt die Dichte der Plätze ab - Kartenstudium ist erforderlich!

D
- wie Durchhalten
Radfahren hat ja auch immer was mit Leiden zu tun. Irgendwie sind wir da ein wenig SM-mäßig veranlagt. Es ja ja auch was, diese kleinen, regelmäßigen Schübe in den Schenkeln zu spüren, sich abzumühen, zu schwitzen und zu leiden. Oft kann man dabei interessante Beobachtungen an sich selbst machen, was die Kraft des Gedankens, die Macht der Psyche über den schnöden Körper angeht. Durchhalten, oft die Devise. Aber bitte nicht übertreiben: Portugal ist ein heißes Backofen, der einem schnell das Genick brechen kann. Am besten, Ihr aklimatisiert Euch erst mal ein, zwei Tage irgendwo, gewöhnt Euch an die Temperaturen, die (oft nicht vorhandene Luftfeuchte), bevor Ihr losfahrt. Lissabon ist ein super Aklimatisationsort. Ansonsten: Durchhalten! Die Befriedigung der Ankunft, dieses Pulsieren heißen Blutes in den Adern ist unvergleichlich!

E
- wie Einsamkeit
Die alte Frage: Allein oder mit mehreren fahren? Kommt darauf an. Hat beides seine Vor- und Nachteile. Wer allein fährt (wie ich es getan habe), der wird naturgemäß mehr Kontakt zu den Einheimischen haben müssen, denn bevor er gar nicht spricht, dann doch schon mit den Leuten, die er trifft. Die Menschen werden einen auch eher ansprechen, als dass sie sich einer Gruppe nähern. Allein bestimmst du das Tempo, richtest du dich nur nach dir selbst, bist dein eigener Herr und triffst die Entscheidungen allein. Du hast Zeit, kontemplativ, ja, fast meditativ, zu fahren. Das hat seine Vorteile.
Aber so nachts im Zelt allein ... Essen allein ... Leiden allein. Das muss man können.
In der Gruppe passieren weniger Fehler - 4 Augen sehen mehr als 2. In der Gruppe kann man sich gegenseitig motivieren. Man kann sich helfen, wenn einer eine Panne hat.
Aber in einer fremden Gruppe - das würde ich mir überlegen. Am besten, übt vorher auf kleinen Touren. Dann seht Ihr, ob Ihr es schafft, nie enden wollende Steigungen von 10 % Tag für Tag zu meistern.
Einsamkeit kann etwas sehr Befreiendes und Reinigendes haben. Ich habe das erlebt - für mich war es perfekt.

F
- wie Fahrradfahren
"Die Portugiesen fahren wie die Irren!" Habe ich oft gehört. "Pass bloß auf, die saufen auch gern mal einen!" Habe ich sogar in einem Reiseführer gelesen. Kann ich alles nicht bestätigen. Ich habe die portugiesischen Autofahrer als rücksichtsvolle Verkehrsteilnehmer empfunden, die stets Respekt vor mir und meiner Art, mich fortzubewegen hatten. Ich wurde nicht einmal bedrängt, bse angehupt, geschnitten oder sonstiges. Kann sein, dass das am Liegerad gelegen hat und dass sie mit Uprights anders umgehen - das kann ich nicht sagen.
Aber wenn ich das Radfahrklima Deutschlands und Portugals vergleichen müsste, dann würde ich Portugal empfehlen: Hier wird man auf der Straße nicht als Fremdkörper und lästigen Idioten wahrgenommen. Ich fands toll.

G
- wie Gepäck
Ich hatte den Fehler gemacht und viel zu viel mitgenommen - siehe "Nützeliches" - und hatte dann 5 Kilogramm unnötigen Ballast die Steigungen hinaufzuschleppen. Fakt ist, dass jedes Kilo, das Ihr einspart, eine enorme Belastung darstellt. Sicher, um 8 Gramm zu kämpfen und deshalb 200 Euro teure Carbon-Bremshebel zu installieren ist Quatsch, aber Ihr solltet Euch ernsthaft überlegen, ob es wirklich die Riesen-MagLite sein muss, ob Ihr eine dicke Regenjacke braucht und ob es nicht vielleicht eine Mini-Alternative zum schweren Zelt gibt.
Angetreten bin ich mit etwa 20 Kilogramm Gepäck, das sich immer wieder auf runde 22 Kilo durch zugeladenes Wasser erhöht hat. Am Ende fuhr ich dann mit 18 Kilo, nachdem ich eine Menge (Taschenlampe, Jacke, schweres Schloss) nach Hause geschickt hatte. Wie sehr 3 Kilo entlasten, hätte ich nie gedacht, aber es stimmt.

Meine ideale Zuladung: Maximal 8 Kilo. Was natürlich mit Campingausrüstung schwer ist.

H
- wie Hitze
DAS Thema dieses Blog und sicher die Hauptschwierigkeit für alle, die in Portugal fahren möchten. Hitze ist unerträglich - die trocknet einen aus, die bremst einen herunter, sie demotiviert, die quält. Aber im Regen will man ja auch nicht fahren ...
Soll heißen, dass wer nach Portugal kommt, sich mit zwei Dingen einfach arrangieren muss: Den Bergen und der Hitze.
Einige einfache Regeln können allerdings den Fahrkonmfort entscheidend erhöhen: Viel, viel trinken und vor allem bei jeder Gelegenheit Wasser auffülen, gut und ausgiebig frühstücken, die Karte studieren und ständig die Route kontrollieren, denn einmal falsch abbiegen kann fatale Folgen haben (siehe Etappe 4). Man kann sich auch dafür entscheiden, in den heißesten Stunden des Tages von 12 bis 14 Uhr Siesta zu machen - mir wäre das aber zu viel verlorene Zeit.
Eines allerdings, das steht fest: Portugal ist und bleibt der Backofen Europas.

I
- wie Inland
Das Inland bietet ganz andere, ganz besondere Reize, als die perfekt erschlossene Küste. Die Schwierigkeitsgrade der Bergetappen reichen von Hardcore-tödlich bis Gehtso. Eine hervorragende (aktuelle!) Karte oder besser noch, ein Navi, sin unerlässlich.
Man kann aber sagen, dass das Inland wesentlich dünner besiedelt ist, heißer und trockener sowie generel schwieriger zu fahren ist. Aber - grandiose Landschaften, tiefe Wälder, brutale Einöden als brutzelnde Glutöfen und viel rauhe Landschaft zu bieten hat.
Und wenn man hier zwei, drei Etappen gemeistert hat, weiß man so einen flachen Küstenabschnitt und vor allem Portugals Strand und den kühlen, rauhen Atlantik gleich viel mehr zu schätzen.

J
- wie Jubeln
Auch wenn ich erstaunlich wenig Portugiesen ein Fahrrad hab fahren sehen - velobegeistert sind sie allemal! Zumindest, was das Liegerad angeht. Man kann sich sicher sein, dass, vor allem rund um Lissabon und Porto sowie auf den viel befahrenen IC-Straßen allenthalben winkende, hupenden, jubelnde und grüßende Portugiesen einem ein anfeuerndes "Rapido! Rapido!" zurufen, den Daumen nach oben recken und sie ein Loch in ihren Hintern freuen.
Bei kurzen Zwischenstopps an Pastelarias strömen sie vor die Tür und bemustern das ungewöhnliche Gefährt, manche lachen den Fahrer aus, aber nie wird man ablehend behandelt oder dumm angemacht (was in Deutschland leider oft passiert).
In diesem Sinne - Portugal ist unerschlossenes, aber sehr positiv gestimmtes, Liegerad-Land.

K
- wie Karte
Auch wieder so ein unverzichtbares Ding. Allerdings war ich in Portugal von der vorbildlichen Beschilderung begeistert - jedes noch so kleine Furzdorf ist ohne weitere Probleme auffindbar, denn die Hinweisschilder sind wirklich intelligent und lückenlos angebracht. Das portugiesische Straßennetz ist sehr gut ausgebaut und mit ihm auch die Navigation. Trotzdem muss man - da überwiegend Kreisverkehre die Abbiegevorgänge regeln - tierisch aufpassen, wann man welche Ausfahrt nimmt. Im Zweifel lieber auf der Karte nachschauen oder jemanden Fragen.
Ich hatte die MICHELIN POrtugal-Karte 1:600.000 (kleinere Maßstäbe taugen kaum noch etwas) und war, bis auf den Fakt, dass meine Karte wenig aussagekräftig in puncto Höhendetails war) eigentlich sehr zufrieden.
Kauft Karten immer vor Ort - und achtet auf das Druckdatum!

L - wie Leute
Portugiesen sind freundlich. Ich könnte jetzt nicht sagen, dass sie überschäumend und enthusiastisch auf jeden zukommen, aber wenn man sie mit einem "Bom dia" oder "Boa tarde" begrüßt, sie anlächelt und ihrer (vor allem im Inland) zuweilen etwas verschlossenen Art entgegen tritt, bekommt man viel Herzlichkeit und vor allem Hilfsbereitschaft zurück. Portugiesen helfen wo sie können - keiner sagt "Nein." oder "Weiß ich nicht.", sondern eher rennen sie ein paar Minuten herum und fragen andere, als dass sie einen abweisen.
Manchmal jedoch, jubeln sie tatsächlich enthusiastisch - mir auf meinem Liegerad ist das vor allem im Großraum Lissabon und auf den viel befahrenen Straßen nahe der Küste passiert. Sie hupen und winken, rufen und grinsen. So macht Radfahren Spaß!

M
- wie Mittags
Mittags, also ab 11 Uhr an der Küste und ab 10 Uhr im Inland, bis 14, 15 Uhr kann man in Portugal sehr gut und anschaulich erfahren, wie sich eine Pizza bei der Zubereitung fühlen muss: Dabei wartet das Land mit allen Arten der Ofengarung auf. Oberhitze sowieso - die Sonne brennt unerbittlich noch das letzte Stück Feuchtigkeit weg. Unterhitze - vor allem auf den sehr dunklen Asphaltstraßen kann die Wärme, die der Belag speichert und abstrahlt unerträglich sein, sodass man das Gefühl hat, im Asphalt einzusinken. Steinofen - gern im Gebirge. Da rauscht man an blankem Fels vorbei und hat direkt an der Wange und dem Ellenbogen das Gefühl, man fahre hinten an einem im Leerlauf laufendem Düsetriebwerk vorbei. Und natürlich Umluft - oft in Bergtälern taucht man nach halbwegs erfrischenden Abfahrten in unglaublich heiße, stehende Luftmassen ein. Plötzliche Erstickungsangst, spontane Sturzbäche nassen Schweißes und Atemnot sind die Folge.
Kurz: Portugal im Juli ist der Backofen Europas.
Also immer wieder die Mahnung viel zu trinken!

N
- wie Natur
Das Land hat vor allem an der Küste derart grandiose Landschaften zu bieten, dass man sich regelrecht zusammenreißen muss, im Sinne des strammen Tourenplans nicht zu viele Fotostopps einzulegen oder nicht gleich das Rad abzustellen, um den Aktiv- gegen einen zünftigen Badeurlaub einzutauschen. Die wildromantische Steilküste mit (teils) menschenleeren Stränden ist genau das, was sonnenhungrige, regengeplagte Norddeutsche wie ich suchen.
Aber auch im Inland hat Mutter Natur nicht gekleckert, sondern geklotzt: Grandiose Felsformationen, tiefe, grüne und herrlich duftende Eukalyptus- und Pinienwälder und natürlich die alten (durch mich leider zu wenig beachteten) Städte mit ihren Tempelritterburgen, fantastischen Parks und Gartenanlagen und der teilweise bewegenden Geschichte laden zu Entdeckungstouren ein.
Natürlich gibt es auch unschöne, langweilige und teilweise brutale Landstriche, wie die Mars-Wüste süd-westlich von Castelo Branco, die ich nur mit dem Flugzeug überfliegen oder mit dem Auto schnell durchfahren zu raten würde. Mit dem Fahrrad dann nur denjenigen unter Euch, die ihre suizidalen Tendenzen etwas auffrischen möchten.

O
- wie Organisation
Die Organisation einer Radtour ist natürlich das A und O derselben. Allerdings bietet gerade das Fahrrad in Kombination mit einem Zelt genau die Freiheit, die wir als All-inklusive-Touristen nicht haben. Wir können machen, tun und lassen, was wir wollen. Wir können flexibel und spontan sein, können Strecken aktuell verändern, können bleiben, wo es uns gefällt, können wegfahren, wo es nicht so schön ist.
Ich würde empfehlen, nicht allzu viel im voraus zu planen - ein Hotel an Start- und Endpunkten der Tour zu reservieren macht Sinn. Alles andere kann man locker unterwegs machen. Das hat dann auch etwas an sich, was an die alten Expiditionen erinnert: Abends, am Restauranttisch, während man einen Vinho Verde schlürft, die Tagesetappe niederschreiben und anhand der Karte den nächsten Tag zu planen - vielleicht sogar im Dialog mit Einheimischen. Das ist doch wesentlich aufregender, als eine vorgefertigte Route abzufahren.
Allerdings würde ich die Lektüre des einen oder anderen Reiseführers im voraus empfehlen, denn ein bisschen Grundwissen sollte man schon haben.

P
- wie Panne
Das kann natürlich passieren. Flickzeug und Ersatzschläuche hatte ich mit, genauso, wie ein Inbus-Set und WD40-Öl. Zwar habe ich zum Glück die ganzen Reifenhelferlein nicht gebraucht, das Öl aber war spätestens nach 4 Etappen gern gesehen an Pedalen und Ritzelpaketen. Ansonsten hat man ja sein Handy oder einen Daumen, mit dem man Autos anhalten kann. Eigentlich halten die dann auch (außer bei mir.)

Q
- wie Qual
Wer die Posts hier gelesen hat, vor allem die der Bergtouren, der wird immer wieder von Schmerzen, Qualen, unerträglicher Hitze und Leiden lesen. Sicher - seinem Körper bei 40 Grad in praller Sonne Höchstleistungen abzuverlangen, und das tagelang hintereinander, ist kein Zuckerschlecken. Aber Schmerz gehört dazu. Per Muskelkraft Vortrieb zu erzeugen, noch dazu mit zusätzlichem Gewicht, das ist mir Anstrengung und Schweiß verbunden.
Doch wer Rad fährt und dies gern tut, der weiß, dass solche Schmerzen auf ihre Art auch etwas Angenehmes haben. Dass sie befriedigen, dass sie fordern. Und letztlich ist es der Triumph des bewussten Geistes, der Sieg des eigenen Willens über scheinbare Grenzen, der Glücksgefühle auslöst, die nur nachvollziehen kann, wer es erlebt hat. Letztlich ist es eben genau die Situation, wo die Qual zweitrangig wird, weil man über schnöde Nervenimpulse erhaben wird, weil man mehr ist, als die Summe seiner Fasern, nämlich Wille - vielleicht ist die körperliche Qual die Eintrittskarte, die Prüfung, um
in dieses Universum eintreten zu dürfen.
Keine Angst vor Schmerz - aber übertreibt es nicht.


R
- wie Ruhetag
Passsend zum Schmerz - die Entspannung. Jeden Abend Knie und Waden mit Franzbranntwein zu massieren, ist pflicht. Sich nach einer anstrengenden Etappe Ruhe zu gönnen (was übrigens auch ein stundenlanger Strandspaziergang sein kann - man muss nicht immer rumliegen, um zu entspannen) tut dem Körper gut.
Noch viel mehr tut ihm aber ein Ruhetag gut, den ich nach 4 Etappen eingelegt und ich auch bitter nötig hatte. Ich würde jedem mindestens alle 5 Tage einen solchen empfehlen. Denn wir sind alle keine Tour de France-Profis (zum Glück).

S
- wie Straße
Wie ich es schon des Öfteren betont habe: Portugals Straßen sind ein Traum. Der Verkehr zuweilen nicht - vor allem im Großraum Porto und Lissabon war es kein Spaß im dichten Verkehr, vor allem mit den Abgasen, herumzukurven. Allerdings waren die Autofahrer allesamt sehr vorsichtig, keiner hat gedrängelt oder aggressiv gehupt - im Gegenteil, die meisten haben sogar gewunken oder mich angefeuert.
Auch Nebenstraßen im hinterletzten Bergwinkel des Inlands waren mit einem angenehmen, glatten und sicheren Asphalt ausgestattet. Insofern - kein Schotter, keine Schlaglöcher. Toll!

T
- wie Transport
Der Transport eines Fahrrads - noch dazu der etwas sperrigeren Variante als Liegerad - im Flugzeug ist so eine Wissenschaft für sich. Ich bin mit einem riesigen Papp-Karton der Firma Karton-Fritze geflogen. In den Karton passte das Rad vollständig hinein, ohne dass ich etwas hätte demontieren müssen. Was natürlich superbequem ist: Nur den Luftdruckt etwas verringern, den Lenker quer stellen (Liegeräder mit Untenlenker werden da wohl mehr schrauben müssen) und ab gehts.
Wie auf Flughäfen üblich, wurde der Karton nicht gerade mit Samthandschuhe angefasst und kam recht lädiert von den Flügen wieder - aber wenn man das Rad noch extra abpolstert oder mit Luftfolie einwickelt, sollte eigentlich nix passieren.
Mein Tipp: Lange im voraus, am besten einen Abend vorher das Rad einchecken, denn manchmal (ist mir auf dem Rückflug passiert) wollen die Zöllner nochmal einen Blick reinwerfen und man muss alles umständlich ein- und wieder auspacken.

U
- wie Urlaub
Bei all der sportlichen Betätigung soll das alles ja auch noch Urlaub sein - ich muss zugeben, dass es genau dies war, was mir am schwersten gefallen ist. Eben nicht auf der Jagd nach neuen Rekorden zu sein, sondern auch mal anzuhalten, abzubremsen, zu genießen und Tourist zu sein. Für jeden wird das was anderes sein - mir hat es meist gereicht, kurz an- und innezuhalten, ein paar Fotos zu machen, vielleicht etwas zu trinken und zu essen um dann gleich weiter zu fahren. Der Weg war das Ziel, ich hatte wenige Ziele auf dem Weg.
Aber das mag jeder entscheiden, wie er will - wichtig ist, dass man sich dabei noch erholt. Sich fertig zu machen bringt nix.

V
- wie Verpflegung
Auch wenn es komisch klingen mag, aber das Essen in Portugal ist weniger gesund, als man ahnt. Sicher - Fisch gibt es an jeder Ecke, aber das, was wir unter gesundem Fischessen verstehen, bekommt man dort unten nur selten. Genauso sieht es mit Salat aus - die meisten Restaurants haben mir eine bunte Palette allerlei Dosengemüse aufgetischt, selten gab es köstliche, frische, knackige Salate.
Meist ist das Essen fritiert, Radfahrer-Pasta gibts nur selten. Ich würde jedem, der die Zeit und Muße hat (ich hatte sie nicht) empfehlen, sich morgens und unterwegs selbst zu verpflegen und abends lokalen Speisen (nicht missverstehen - die sind köstlich!) zu fröhne. Aber aufpassen - mit der Frage nach vitaminreicher Sportlernahrung überfordert man die meisten Restaurants.

W
- wie Wasser
Seit der Horroretappe nach Castelo Branco weiß ich, wie sich Durst anfühlt. Richtiger, echter Durst. Und das ist eine Erfahrung, die mit allerlei höchst unschönen Nebeneffekten einhergeht. Weshalb ich jedem nur raten kann: Nehmt genug Wasser mit! Schaut Euch genau die Karten an - wenn unterwegs in der Gluthitze das Nass ausgeht, ist die Kacke am Dampfen! Füllt wo Ihr nur könnt Eure Reserven randvoll auf! Trinkt viel - man trocknet schneller aus, als man denkt.

X
- wie eXtrem
Die einzige Extreme, die man in Portugal nicht beeinflussen kann, ist das Wetter. Da ist man auf den Lieben Gott angewiesen. Alles andere bestimmt Ihr selbst. Deshalb ist es gut, seine Limits zu kennen und zu wissen, was geht und was nicht. Grenzen ein bisschen zu schieben, das sind Erfolgserlebnisse, die unglaubliche Glücksgefühle auslösen und enorm beitragen, die Tour zu einem unvergesslichen Event werden zu lassen - aber Grenzen schieben sollte nicht Programm sein. Schon gar nicht nach dem Motto: "Heute mache ich mal ´ne Extremerfahrung." Das sollten nur Profis machen.
Allerdings: Extreme Abfahrten (und Steigungen) mal hinter sich zu bringen, das kann man sich schon einmal vornehmen.

Y
- wie HYgiene
Outdoor ist ja an sich nix für Verwöhnte. Oder gerade doch? Gepaart mit dem Schweiß von 6 Stunden harter Kurbelarbeit, einem Zelt voller Strandsand und bekannten (wenn auch echt ordentlichen) Sanitäranlagen auf Campingplätzen kann man sich vorstellen, wie es nach so einer Etappe riecht. Aber das klingt alles schlimmer, als es ist. Frisch geduscht und die Klamotten mit Rei gewaschen sieht die Welt schon ganz anders - nämlich leckerer aus.
Ansonsten - mich haben die "französischen" Toiletten sehr gestört, ich kann da einfach nicht mein Geschäft verrichten. Aber dafür ist es eine geradezu berauschende Erfahrung, einen duftenden Eukalyptuswald zu düngen ...

Z
- wie zögern
Klar, das ist eine ganz schöne Entscheidung, an das Südende Europas zu fahren und sich 700 oder mehr Kilometer anzutun. Egal, wo man hinfliegt. Fragen wie: "Schaffe ich das überhaupt?" oder "Was ist, wenn mir was passiert?" quälten auch mich. Aber, wie so oft: Wir Deutschen malen es gern schwärzer aus, als es ist. Abenteuer ist nun mal nicht all-inklusive buchbar. Und deshalb mein Rat zum Schluss: Aufhören, sich immer nur die Dokus auf 3sat anzuschauen und sich sehnsüchtig einem ebensolchen Ritt zurechtträumen - nicht zögern - machen!
Es ist eine wunderbare Erfahrung!

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